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Wer den „Totentanz“ schon im Namen trägt, und mit Sackpfeifen, Schalmei und Maultrommel vergnügt am hippen Zeitgeist vorbeimusiziert, der muss sich gar nicht erst Sorgen machen, irgendwann nicht mehr der „heiße Scheiß“ zu sein. Saltatio Mortis waren jedenfalls schon immer im besten Wortsinn aus der Zeit gefallen. Oder besser: Sie haben ein eigenes Parallel-Universum aufgemacht, nachdem sie mit ihrem Punk-Spirit und der Lust auf metallische Härte mal kurz zur Inspiration ins Mittelalter gereist sind.

Allerdings hätten sich Sänger Jörg Roth (Alea der Bescheidene), Schlagzeuger Timo Gleichmann (Lasterbalk der Lästerliche) und Drehleierspieler Gunter Kopf (Falk von Hasen-Mümmelstein) – die schon in der Urbesetzung dabei waren – damals, vor zwanzig Jahren, als sie an Straßenecken und auf kleinen Clubbühnen spielten, wohl auch nicht ausmalen können, dass sie in ihrer Karriere gleich drei Nummer-Eins-Alben schaffen werden.

Im Jahr des 20. Jubiläums bringen sie nun ein weiteres Album raus, das vielleicht wieder das Zeug hat, die Charts zu erobern. Denn „Für immer frei“ wird ihre mittlerweile zahlreichen Fans bestens bei Laune halten – und vielleicht sogar noch neue dazu gewinnen.

Denn Saltatio Mortis setzten einerseits auf bewährte Stampfer, wie „Löwenherz“ oder „Für immer jung“, die Metal, Folk, Mittelaltermusik und Punk-Spirit zusammenbringen, wagen sich dabei aber auch in neue Gefilde. „Mittelfinger Richtung Zukunft“ ist da ein gutes Beispiel. Der Titel selbst mag nach Slime und Co. klingen, die Musik ist jedoch ein amüsantes Crossover-Update, bei dem man sich sogar an einen Rap-Part herantraut. In „Neustart für den Sommer“ wiederum sind sie zwar musikalisch in ihren vertrauten Zeitlosigkeit, textlich aber ganz nah am schwachen Puls dieses seltsamen Jahres. Roth fordert hier einen neuen Sommer mit „Krawall und Sonnenschein“ und fragt sich: „Was werden die Leute später einmal sagen über dieses abgedrehte Jahr? Wie soll man Lieder schreiben über einen Sommer, der so chronisch unterfeiert war?“ Tja, eben genauso – wäre die Antwort auf die zweiten Frage.

Saltation Mortis sagten selbst im Vorfeld, dass „Freiheit“ das große, umfassende Thema ihrer neuen Platte ist. Der Kampf um Freiheit, das Bewahren von Freiheit, das Fehlen von Freiheit – und die Sabotage von Freiheit. Die dieser Tage in Deutschland vor allem von rechten „Patrioten“ kommt, die von Freiheit brüllen und das Gegenteil meinen. „Linien im Sand“ ist der Tritt in genau diese Richtung, wenn Saltatio Mortis singen: „Was ist mit den Milliarden Toten / auf Rechnung all der Patrioten?“ Das Albumfinale „Gebor‘n um frei zu sein“ schlägt in die gleiche Kerbe, wenn auch optimistischer: „Ich träum von einer Welt, / in der Gerechtigkeit / mehr als nur ein Wort ist / und die Hautfarbe nicht von Belang.“ Das starke „Loki“ wiederum stellt nordische Mythologie in den Kontext der Gegenwart. Hier singt Loki selbst – der Gott, der angeblich das Weltenende Ragnarök einleitet – und droht: „Ich bin Loki, ich verbrenne die Welt!“ Wer den Klimawandel im Blick hat und brennenden Wälder in Kalifornien und Brasilien, der kann sich zurecht fragen, ob Loki nicht schon damit angefangen hat. 

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