Interview mit Hundetrainer André Vogt zu „Der Welpentrainer“ 

Wie bist Du darauf gekommen, Hundetrainer zu werden und worin liegt eigentlich der Unterschied zwischen der Arbeit mit Welpen und dem Training ausgewachsener Hunde?

Ich bin Hundetrainer geworden, weil ich immer mehr die starke Verbindung zu Hunden gespürt und gleichzeitig erlebt habe, dass erfolgreiches Training die Lebensqualität von Menschen und ihren Hunden, aber auch von ganzen Familien, die Vierbeiner halten, deutlich verbessert. Allerdings liebe ich es ganz besonders, mit Welpen zu arbeiten, denn junge Hunde sind unverstellt und natürlich. Genau wie Kinder sind sie wissbegierig, neugierig und verspielt. Sie zu formen und ins Leben zu begleiten, ist immer ein ganz besonderer Prozess.

Wie läuft ein Drehtag mit den quirligen Hundewelpen ab?

Insbesondere morgens sind die Welpen natürlich noch voller Energie. Dann wollen sie spielen und drehen schnell völlig auf. Hier ist es mir sehr wichtig, die Hunde kurz zu begrüßen, kontrolliert spielen zu lassen und dann aber darauf zu achten, dass sie wieder runterfahren. Das funktioniert am besten, indem ich sie eine Zeit lang im Körbchen zur Ruhe kommen lasse, da sie ansonsten schnell überreizt sind. Das war an den ersten Drehtagen eine große Herausforderung. Aber schon nach kurzer Zeit kannten die Hunde den Ablauf, und seitdem funktioniert es tadellos. Nach diesem Einstieg ziehe ich mir einzelne Welpen heraus und wir trainieren intensiv das jeweilige Thema des Tages, wie zum Beispiel das ins Körbchen schicken: Hier lernt der Welpe auf ein bestimmtes Kommando wie zum Beispiel „Pause“ oder „geh auf deinen Platz“ von jedem Ort im Haus/der Wohnung in sein Körbchen zu gehen und dort zu bleiben. Währenddessen kümmert sich meine Assistentin Dana um die anderen Hunde. Ich trainiere dann entweder im Obergeschoss, wo etwas Ruhe herrscht, oder ich gehe mit einzelnen Welpen nach draußen und arbeite dort. Dana und weitere Assistenten achten darauf, dass die Hunde im Schnitt alle 30 Minuten die Gelegenheit haben, draußen ihr Geschäft zu erledigen. Am Ende des Tages sind die Welpen natürlich ziemlich geschafft – und ich auch. Deshalb ist es wichtig, dass sie abends entspannen können.

Wer sorgt dafür, dass sich die Welpen nicht überanstrengen?

Neben meiner Assistentin unterstützen uns an den Drehtagen ein bis zwei weitere Hundetrainer, die die Tiere im Blick haben. Für mich hat es oberste Priorität, dass die Welpen nicht überfordert werden und dass sie zwischendurch ihre Ruhepausen bekommen, in denen sie idealerweise schlafen. Denn wie bei uns Menschen ist gutes Lernen nur dann möglich, wenn die Tiere zufrieden sind und Spaß an der Arbeit haben.

Welche Maßnahmen müssen zum Wohlergehen der pelzigen Protagonisten ergriffen werden?

Die Welpen müssen alle 30 bis 60 Minuten die Möglichkeit haben, ihr Geschäft zu erledigen. Außerdem achten wir nicht nur am Morgen, sondern während des gesamten Drehs stark darauf, dass die Tiere nicht ständig und unkontrolliert spielen, weil ihnen oft noch die Fähigkeit zur Selbstregulation fehlt und sie schnell überreizt sind. Als Präventivmaßnahme sind eben auch Ruhepausen sehr wichtig. Wasser ist für die Tiere selbstverständlich den ganzen Tag über frei zugänglich. Außerdem geben gemütliche, vertraute Körbchen und Decken den Welpen Sicherheit und schaffen gemeinsam mit artgerechten Spielzeugen und der passenden Ernährung einen Rahmen, in dem sich die Hunde wohlfühlen.

Was passiert, wenn einer der Welpen mal einen schlechten Tag beziehungsweise schlechte Laune hat?

So etwas kommt bei all den Entwicklungssprüngen, die die Welpen in dieser Phase durchleben, tatsächlich vor. An solchen Tagen berichten mir oft schon die Hundebesitzer am Morgen beim Bringen, dass ihr Welpe nicht gut drauf ist. Spätestens beim Training merke ich aber auch selbst schnell, wenn ein Hund nicht in Form ist – egal ob mental oder körperlich. Dann nehme ich den Welpen sofort raus und sorge dafür, dass an dem Tag das Programm gelockert wird und alle Beteiligten entspannt bleiben. Denn Zeitdruck darf bei der Arbeit mit Welpen niemals aufkommen.

Vermissen die Welpen ihre Besitzer? Und brauchen Sie eine Bezugsperson vor Ort?

Entgegen der allgemeinen Erwartung haben junge Welpen insbesondere in der Gruppe wenig Probleme, ohne Frauchen oder Herrchen durch den Tag zu gehen, denn diese Gruppe gibt ihnen Sicherheit. Am ersten Tag haben wir sie beim Weggehen der Besitzer mit Spielen abgelenkt. Außerdem gewöhnen sich die Tiere sehr schnell an Dana und mich und haben so permanent Bezugspersonen an ihrer Seite, denen sie vertrauen. Außerdem gewöhnen sie sich auch schnell an den Ort und lernen, dass sie immer wieder abgeholt werden – das ist ein bisschen wie bei Menschenkindern in der Krippe.

Brauchen Welpen im Winter einen Mantel oder ähnliches zum Anziehen?

Ob Hunde frieren oder nicht, hängt von der Rasse ab und hat speziell mit der Dicke des Fells und der Unterwolle zutun. Bleibt der Welpe in Bewegung, sind Mäntel oder Overalls meistens unnötig. Steht der Hund allerdings länger als zwei Minuten in der Kälte, kann das gesundheitliche Folgen haben. Habe ich einen empfindlichen Welpen mit wenig Unterwolle, sollte ich spätestens bei Minusgraden durchaus Hilfsmittel in Erwägung ziehen, die den Hund bei der Wärmeregulierung unterstützen. Schließlich greifen wir Menschen im Winter auch zu gefütterten Jacken. Eine große Rolle spielt auch das Temperaturgefälle zwischen innen und außen. Bewegt er sich von einer Wohnung mit einer Innenraumtemperatur von mehr als 20 Grad nach draußen, wo minus 3 Grad herrschen, kann das durchaus eine körperliche Herausforderung für den Hund sein.

Wie wichtig ist es, dass Welpen in die Hundeschule gehen?

Ich formuliere es mal so: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Insbesondere in der Welpen-Phase ist die Erziehung noch leicht umzusetzen. Wenn man bedenkt, dass ein Hund 12 bis 16 Jahre alt wird, macht es auf jeden Fall Sinn, sich gleich zu Beginn um die Erziehung und die Prägung zu kümmern. Zum Beispiel beeinflussen gut aufgebaute Welpen-Spielstunden das Sozialverhalten der Tiere extrem positiv. Wie die Sendung aber auch zeigt, kann man bereits mit ganz jungen Welpen schon richtig trainieren – immer vorausgesetzt, man überfordert sie nicht und achtet auf kurze Trainingseinheiten. Denn das Gehirn des Hundes nimmt in dieser frühen Phase alle Eindrücke und alles Erlebte auf wie ein Schwamm. Das gilt für das Gelernte ebenso wie für die Reize von außen, weshalb wir eben darauf Wert legen, dass diese so gering wie möglich bleiben und die Welpen immer genug Zeit haben, die Trainings zu verarbeiten.

Was hältst Du vom Hundeführerschein für Hundehalter?

Prinzipiell bin ich klar gegen übertriebene Bürokratie. Einen Hundeführerschein befürworte ich allerdings ganz deutlich. In meinen Augen wäre es ideal, Menschen einen Vorteil zu verschaffen, die ihre Hunde trainieren und sich insbesondere im Umgang mit ihrem Umfeld, also beispielsweise mit Spaziergängern, Fahrradfahrern, Reitern oder anderen Hundehaltern respekt- und rücksichtsvoll verhalten. Wie in Hamburg könnte man sie dann etwa von der generellen Leinenpflicht befreien. Das würde ihr Bemühen anerkennen und wertschätzen und so auch den Anreiz steigern, für eine gute Hundeerziehung zu sorgen. Eben diese könnte dann durch den Hundeführerschein belegt werden. So würden deutlich weniger Missverständnisse und brenzlige Situationen entstehen. Da die Zahl der Hunde, die in Deutschland gehalten werden, permanent steigt, gehe ich fest davon aus, dass sich der Hundeführerschein bald bundesweit durchsetzt.