Ich gebe zu, dass ich am vergangenen Samstagvormittag alles superschnell erledigt habe und sogar den fälligen Spaziergang mit den Hunden so abgepasst habe, dass ich pünktlich zu Hause war – um der Live-Übertragung der Hochzeit von Harry und Meghan beizuwohnen. Und ja, natürlich hatte ich ein Kleid an und eine Kopfbedeckung, eine violette Melone, die ich vor Jahren bei einem London-Besuch bei Paul Smith gekauft und mich nie zu tragen gewagt habe.

Am Samstag war das kein Problem, denn niemand wollte mit mir gucken. Warum? Weil ich von Royalen-Hochzeits-Verweigerern umgeben bin. Dabei hat es fast nur Vorteile: Man muss nicht selbst heiraten, kann während des Gottesdienstes aufstehen, um sich was zu trinken zu holen und sieht all die Kleider, die man auch tragen würde (oder vielleicht auch nicht), wenn man eine Unmenge an Geld sein Eigen nennen würde.

Royale Hochzeiten sind weicher als das Leben

Pünktlich, wenn jede x-beliebige Braut aus dem Wagen steigt, fange ich außerdem an zu heulen. Dabei kenne ich ja keine von ihnen und vermutlich haben viele von denen Eigenschaften, die mir nicht gefallen würden. Mit Laetitia von Spanien zum Beispiel würde ich mich bestimmt nicht verstehen, mit Maxima von den Niederlagen hingegen prächtig, nehme ich an. Ich ahne, dass Meghan und ich ebenfalls prima klarkommen würden und Harry ist ja sowieso ein Knüllertyp, wie es scheint. In Wahrheit ist das aber auch egal. Ich schaue royale Hochzeiten, weil sie weicher sind als das Leben und genau da aufhören, wo die harte Realität einsetzt. Was übrigens genau der gleiche Grund ist, warum ich romantische Filme gucke. Ich möchte nicht sehen, wie sich Paare über ihre schwindende Sexualität zerfleischen oder wegen garstiger, manipulativer Schwiegereltern. Ich möchte den hoffnungsvollen Start anschauen und damit ist es auch gut. Kurz gesagt: Meghans Kleid war schön und den Umständen angemessen (es war ja ihre zweite Eheschließung, da trägt man nicht mehr ganz so dick auf), das Diadem herrlich, ich liebte den Schleier und vor allem den Moment, als Harry selbigen hob, der Cellist war fantastisch und der Gottesdienst wirklich angenehm kurzweilig.

Partner aus dem gleichen Stall haben die besten Chancen

Aber! Natürlich mache ich mir berufsbedingt so meine Gedanken. Meine arglose Hochzeitsromantik ist so ein bisschen verdünnt. Studien sagen, dass das ideale Hochzeitsalter bei ungefähr 32 Jahren liegt. Harry ist mit seinen 33 also im besten Abschnitt. Allerdings neigen Menschen, die schon einmal geschieden sind, deutlich eher zur Beendigung einer Beziehung als jene, die diesbezüglich unbefleckt sind. Zweitens hat eine Beziehung statistisch die größten Überlebenschancen, wenn man sich einen Partner wählt, der ungefähr aus dem gleichen Stall kommt. Während Meghan ja superplietsch und gebildet rüberkommt, scheinen Teile ihrer Familie väterlicherseits ja feinster White Trash zu sein und ich frage mich, wie sich das mit der royalen Etikette vertragen wird, so auf Dauer.

Kate's Resting Bitch Face

Einen Teil seiner Existenz zu verneinen, ist psychologisch eine knifflige Angelegenheit, ich will da nichts beschönigen. Drittens konnte mir bislang niemand erklären, warum Catherine of Cambridge, die liebe Kate, die ganze Zeit so kalt und resting bitch face-artig geschaut hat. Sie schien sich überhaupt nicht zu freuen. Fiese, missgünstige Verwandtschaft ist allerdings das Nummer 1-Rezept, um einem die Beziehung zu versauen und ich hoffe mal, dass Catherine einfach einen schlechten Tag hatte. Natürlich wäre es das Allerschönste, wenn Harry und Meghan sich aufrichtig lieben und verträumt miteinander alt werden würden. Und die Hoffnung ist natürlich genau der Grund, warum ich mir Hochzeiten überhaupt so gerne angucke.

Alles Liebe,
eure Paula

PS: Ich geben ihnen sieben Jahre. Maximal.