Vor vielen Jahren hat mir ein Bekannter einmal etwas über Frauen erklärt. Er sagte: „Ich glaube, die meisten Frauen haben nur Sex, damit der Kerl die Klappe hält. Für sie ist Sex die Kirsche auf der Sahne. Sieht schön aus, aber wenn sie fehlt, ist es auch nicht so schlimm.“ Natürlich habe ich sofort protestiert und ein Hohelied auf die befreite weibliche Sexualität gesungen, aber dann wiederum soll man nicht von sich auf andere schließen. Mit der Geschichte im Hinterkopf fiel mir dann nämlich auf, dass die meisten Zuschriften, die mich auf meiner Facebook-Seite erreichen und in denen es um die Qualität des Sexes geht, ungefähr so formuliert sind: „Wie kann ich für ihn eine bessere Liebhaberin sein?“ Oder auch „Ich habe nie einen Orgasmus. Was kann ich tun? Mein Freund ist total enttäuscht.“

Sexualität wird meist nicht genossen, sondern nur ertragen

Dass es in Sachen sexueller Gleichberechtigung eben doch noch nicht so weit her ist, hat auch die US-Amerikanerin Peggy Orenstein herausgefunden. In einer Umfrage unter Studentinnen gaben sie nicht nur an, beim Sex Schmerzen zu haben. Die meisten sagten, dass ihnen Sex grundsätzlich keinen besonderen Spaß mache und sie es vor allem deshalb täten, um ihrem Freund zu gefallen. Wenn das stimmt, dann bedeutet das, dass ein Großteil der jungen Frauen ihre Sexualität nicht genießt, sondern nur erträgt. Und das ist so entsetzlich, dass ich es kaum glauben mag.

Grundvoraussetzung ist, den eigenen Körper zu kennen

Aber die Zeichen deuten darauf hin, dass zu viele nicht wissen, wie sie Sexualität so ausleben können, dass es das höchste Vergnügen bereitet. Das beginnt schon bei der Selbstbefriedigung. Für viele Mädchen und Frauen ist es immer noch tabu, sich selbst zu erkunden, zu berühren und, ja, ein bisschen lockeres Orgasmustraining zu betreiben. Man muss keine ausgewiesene Anhängerin seiner eigenen Hände oder praktischer Stimulationsapparate sein, um zu verstehen, dass man ein Feld nur erfolgreich beackern kann, wenn man die Krume kennt. Grundvoraussetzung ist also auf alle Fälle, den eigenen Körper nicht nur vom Hörensagen zu kennen.

Es ist wichtig zu üben, seine Bedürfnisse zu formulieren

Gewiss ist das Ganze auch eine Frage der Kommunikationskultur. Ich habe ewig gebraucht, bis ich nach einer wilden Knutscherei bei dem anschließenden Blickkontakt keine knallrote Birne bekommen habe. Noch länger hat es gedauert, bis ich den Satz „Nicht so rumdrücken, ich bin doch kein iPod“ stotterfrei sagen konnte, gefolgt von einer händischen Anweisung in Stimulationskultur, selbstverständlich. Es ist wichtig zu üben, seine Bedürfnisse zu formulieren. Zumindest, wenn man sie kennt. Warum sollte eine Frau ein bloßes Besamungsgefäß sein? Das sehe ich überhaupt nicht ein. Nicht umsonst hat uns die Natur mit der Fähigkeit zu multiplen Orgasmen ausgestattet! Ich sage nur: Carpe Vulva! Und jetzt runter mit den Höschen! Ist ja eh so warm.

Alles Liebe,
eure Paula