Als ich klein war, wusste ich nicht, dass es einen Weltfrauentag gibt. Ich wusste aber sehr wohl, dass es Weiberfastnacht gibt und dass an diesem Tag alles ein bisschen anders gemacht wurde als sonst. Man durfte Witze über Männer machen und ihnen die Krawatten abschneiden. Es war lauter, lustiger, allgemein lockerer und außerdem war die Schule nach der zweiten Stunde aus, was in einem gewissen Alter das Allerwichtigste ist.

"Ein Lippenstift ist eine Waffe"

In meinen Zwanzigern wusste ich immer noch nicht, dass es einen Weltfrauentag gibt. Oder es war mir egal.  Denn für mich war damals jeder Tag ein Feiertag, wie das eben so ist, wenn man keine Verantwortung trägt, dafür aber einen Job mit einem vernünftigen Monatsgehalt hat. Irgendwann, so mit 26, sagte ein Redakteur (ja, es waren immer Männer) zu mir: "Schreib mal was über den Weltfrauentag, irgend so ein Weiberscheiß mit Lippenstift und hohen Schuhen. Mach es rosa und mit Glitzer." Und ich sagte, vermutlich voller Restalkohol von dem Clubbesuch in der Nacht davor: "Obacht. Ein Lippenstift ist eine Waffe." Manchmal hat man ja helle Momente, in denen einem ohne Nachzudenken das Richtige einfällt. "Äh, genau", sagte der Redakteur und legte schnell auf. Und das war der Augenblick, in dem ich begann, über den Weltfrauentag nachzudenken.

Weltfrauentag: Eine kurze Geschichte

Woher er kommt, wisst ihr sicher. Die deutsche Sozialistin Clara Zetkin brachte ihn erstmalig im Jahr 1910 bei der II. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen ins Gespräch. Sie fand, dass man ruhig mal über gleiche Entlohnung, gleiche Bildungschancen, die soziale Sicherung und die politische Gleichberechtigung nachdenken könnte. Dass die Nazis den Weltfrauentag verboten – stattdessen wurde der Muttertag eingeführt – , ist ein sicheres Zeichen dafür, wie nötig er war und ist.  In zum Beispiel Angola, Armenien, Georgien, Moldawien, der Mongolei, Weißrussland und zig anderen Ländern ist der Weltfrauentag ein gesetzlicher Feiertag. In China haben Frauen am Nachmittag des 8. März arbeitsfrei. Immerhin.

Warum der 8. März so wichtig ist

Weil Frauen, die für ihre Rechte eintreten, immer noch reflexartig Zickigkeit und Männerhass vorgeworfen werden. Und weil zu viele Frauen immer noch mithelfen, Opfer zu Tätern zu machen, wie man an der Geschichte um Harvey Weinstein oder jener um Dieter Wedel sehr schön sehen kann. Sie fragen "Warum hat sie sich nicht früher gemeldet? So schlimm kann es nicht gewesen sein!" und nehmen damit die Täter in Schutz, anstatt dafür zu kämpfen, dass niemand, egal welchen Geschlechts sich durch Machtausübung, egal welcher Art über einen anderen erheben kann. Denn nur so können wir Gemeinsamkeit und Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern hinbekommen.

Männern, wie Donald Trump zeigen, dass ihre Zeit abgelaufen ist

Ich brauche zum Weltfrauentag keine Geschenke oder Blumen und ich will auch keine Frauenhorden sehen, die sich Christi-Himmelfahrts-mäßig über die Straßen ergießen und sich ein bisschen peinlich benehmen (na gut: Christi Himmelfahrt ist SEHR peinlich). Ich möchte, dass es ein Tag wird, an dem wir uns gegenseitig zeigen, dass wir uns für unsere Stärken gegenseitig wertschätzen. Und uns liebevoll begegnen, weil das genau das ist, was diese Welt jetzt braucht. Zum Beispiel um Männern à la Donald Trump zu zeigen, dass ihre Zeit abgelaufen ist.

Übrigens weiß ich nicht genau, was mein Hirn damals dachte als es "Obacht. Ein Lippenstift ist eine Waffe" nach draußen schickte. Vielleicht etwas wie "Frauen können viele sein, und du weißt nie genau, mit welcher du es gerade zu tun hast." Oder so. Ganz zum Schluss möchte ich euch aber zum Internationalen Weltfrauentag noch diesen, wie ich finde, sehr gelungenen Witz schenken:

Ein Paar liegt im Bett. Sagt er: "Heute, zum Frauentag, werde ich aus dir die glücklichste Frau der Welt machen." Sagt sie: "Och, ich werde dich vermissen!"

Alles Liebe!
Eure Paula