Ich weiß nicht, ob es euch schon mal passiert ist, dass ihr auf einer Party oder im Club seid, richtig viel Spaß habt, tanzt, trinkt und dann plötzlich mit einem Typen im Bett landet, der auf unerklärliche Weise spontan super interessant geworden ist. Der Sex ist okay und manchmal von einer leichten Karussellfahrt begleitet, bis dann am nächsten Morgen sich ein fahles Gefühl des „Wie komme ich hier nur heraus, ohne dass er aufwacht“ einstellt.

Mein schlimmstes Erlebnis dieser Art war jenes mit meinem Mitbewohner. Ich war Anfang zwanzig, total betrunken und hielt es für eine prima Idee, mich vertraulich auf den Schoß des besagten Mitbewohners zu hocken, um binnen kürzester Zeit in wilde Knutscherei zu versinken. Irgendeine innere Stimme sagte mir noch, dass ich es besser sein ließe, aber innere Stimme und der Suff, das geht selten Hand in Hand.

Sowas kann mal passieren

Kurzum, als ich am nächsten Morgen im wahrsten Sinne des Wortes wieder zu mir kam, merkte ich, dass ich gar nicht in meinem Zimmer lag. Während langsam Minute für Minute die Erinnerung wie ein Sonnenaufgang durch mein Gehirn zog, grübelte ich über einer Exitstrategie. Nicht nur aus dem Zimmer heraus, sondern aus dem ganzen Leben mit ihm. Diese plötzlich und eigentlich ungewollte Vertraulichkeit war mir mehr als unangenehm und ich verfluchte das Getränk, dass mich so vertrauensselig und zutraulich hatte werden lassen. Die Sache endete dann gar nicht weiter schlimm (er zog aus, ich stand im Mietvertrag), aber natürlich machte ich mir monatelang Vorwürfe und dachte darüber nach, die Stadt vor Peinlichkeit zu verlassen.

Was ich sagen will: Sowas passiert. Anstatt wie ich jahrelang Auswanderungen zu planen, sollte man Trunkenheits-Sex als das werten, was es ist: Ein temporärer, etwas ausgearteter Wunsch nach Anerkennung und ein wenig Körperkontakt, als etwas absolut Menschliches also. Keine Scham nötig und auch keine Entschuldigungen und schon gar kein „Ich mache sowas normalerweise nicht“. Alkohol lässt bekanntermaßen die Grenzpfosten etwas sinken, so dass es deutlich leichter ist, darüber zu hopsen. Aber solange man nicht nur noch besoffen Kontakt mit anderen aufnehmen kann, weil man ansonsten zu schüchtern ist, ist alles okay.

Bei Tinder-Dates besser kein Alkohol

Grundsätzlich empfehle ich aber genau deshalb, bei Tinder-Dates und ähnlichem keinen Tropfen Alkohol zu trinken. Alkohol macht nicht nur zutraulicher, sondern vernebelt einem auch die Sinne. Im Suff werden Typen, die sonst nicht mal der Rede wert wären, plötzlich zu Superhelden, ohne die man sich ein Leben nicht mehr vorstellen kann. Und das Erwachen ist dann ähnlich madig wie nach jedem Rausch. Nüchtern betrachtet ist ein klarer Blick einfach hilfreicher. Prost!

 

Alles Liebe
Paula