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Ich habe schon einmal über die wunderbaren Effekte eines simplen Spaziergangs auf die Beziehung geschrieben, aber einen Faktor habe ich dabei völlig außer Acht gelassen: nämlich die inzwischen krankhafte Benutzung des Smartphones. Viele Menschen machen sich mehr Sorgen über den Akkuzustand ihres Telefons als über das Wohlbefinden ihrer Nächsten – und das ist natürlich ziemlich tragisch. Tragisch vor allem deshalb, weil wir uns ständig entwickelnde Wesen sind, was jedoch nicht bedeutet, dass die Entwicklung immer zum Positiven sein muss.

Dating ohne wirkliche Kommunikation

Jeder, der ab und an in Restaurants oder Bars geht, hat sicher schon beobachtet, wie am Nebentisch ein Date stattfindet. Ohne dass beide Beteiligten in irgendeiner Weise etwas miteinander zu tun hätten. Sie scrollt durch Instagram, er sucht irgendwas im Netz, um ein Bild zu dem zu zeigen, was er vielleicht gerade gesagt hat – falls sie überhaupt miteinander sprechen. Der Haken am Smartphone ist ja die Illusion der Kommunikation, wo in Wirklichkeit nur Datenaustausch stattfindet. Zu sagen "Ach, du magst auch Autos? Schau mal, dies ist der neue Ferrari. Toll, oder?" ist etwas völlig anderes als "Früher wurde mir beim Autofahren immer schlecht und einmal habe ich sogar meinem Vater in den Nacken gekotzt". Letzteres mag zwar unangenehm sein, enthält aber unweigerlich eine persönliche Note. Und nur auf der persönlichen Ebene lernen wir tatsächlich etwas über den anderen kennen. Es gibt Paare, die schicken sich Videos auf Instagram von Raum zu Raum, haben aber keine Ahnung, was der andere tagsüber gemacht hat oder wie es ihm wirklich geht.

"Das Verstehen, geht Hand in Hand mit Lieben!" 

Herauszufinden, was den anderen beschäftigt, ist aber wesentlich, wenn man auch nur ansatzweise erfolgreich in einer Partnerschaft enden möchte. Denn aufgrund der nötigen Information kann sich ein Verstehen entwickeln, und Verstehen geht Hand in Hand mit Lieben. Das trifft natürlich nicht nur auf persönliche Beziehungen zu. Im Job ist es ja genauso. Was als Tuscheln in Konferenzen nicht gerne gesehen wird, ist in Wahrheit ein absolut elementares Aufeinander-Einschwingen. Darum schlage ich folgende Regeln vor, damit wir wieder lernen, mehr miteinander zu reden und sich aufeinander einzulassen statt voneinander abgelenkt zu sein:

 

  • Ab 20 Uhr schläft das Smartphone. Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass in der Zeit etwas passiert, das lebenswichtig ist. Ich habe es ausprobiert.
  • Im Schlafzimmer hat das Handy nichts zu suchen.
  • Auch nicht am Tisch, beim gemeinsamen Essen oder wenn Kinder in der Nähe sind. Nie war es einfacher, ein gutes Vorbild zu sein.
  • Das Telefon stirbt nicht, wenn man sich nicht rund um die Uhr um es kümmert. Es reicht, wenn man sich Zeitfenster einräumt, in denen man es nutzt. Jeweils 15 Minuten reichen völlig.

 

Ihr werdet euch wundern, wie viel produktiver, liebevoller und fröhlicher ihr durch den Tag geht. Und vor allem, wie viel ihr von euren Mitmenschen mitbekommt.

 

Viel Spaß!