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Viele Menschen haben panische Angst davor, dass andere entdecken könnten, wer und wie sie eigentlich sind, was natürlich Quatsch ist: Die meisten Leute wissen genau, mit wem sie es zu tun haben, sie ziehen es nur meistens vor, nicht weiter darüber nachzudenken. Viele glauben, dass man im Leben am besten durchkommt, wenn man die Ohren anlegt und sich auch sonst nie in den Wind stellt. Das mag zwar funktionieren, aber führt am Ende meist nicht dazu, dass man sich als Persönlichkeit wirklich entfalten kann. Die ganze Energie geht dann dafür drauf, so zu tun als wäre man jemand anderes.

Der Quarkbällchen-Vorfall

Ich weiß nicht, ob es das Alter ist, aber ich merke, dass ich immer weniger gewillt bin, schlechtes Benehmen zu tolerieren. Inzwischen, und da wird es heikel, geht es so weit, dass ich vor allem schlechtes Benehmen anderen gegenüber nicht mehr hinnehme. Mein Gefühl, damit richtig zu liegen, schwankt zwischen "Auf jeden Fall" und "Auf gar keinen Fall", je nach Tagesform. Vor einer Woche gab es zum Beispiel den Quarkbällchenvorfall. Quarkbällchen habe ich erst in Berlin kennengelernt, darum sei zur Erklärung gesagt, dass es sich hierbei um im Fett ausgebackenes, rundliches Gebäck handelt, in dessen Teig…Quark ist. Nehme ich an. Jedenfalls essen meine Jungs gerne Quarkbällchen, darum stand ich an einem Anhänger vor dem Supermarkt an.

Vor mir hatte ein Paar etwas anderes geordert. Der Herr sprach nur gebrochen Deutsch und fragte schüchtern, ob die Dame denn verstanden hätte, dass sie zwei Langos (was auch immer das ist) wollten, nämlich einen mit Käse und einen mit Sauerrahm. Daraufhin schnauzte die Verkäuferin in einer derart ätzenden Art zurück, dass sie nicht einen so und einen so bestellen könnten, sondern sagen müssten, dass sie zwei wollten und dann den einen so, den anderen so. Ich hätte meine Quarkbällchen nehmen und gehen können, aber nee. So nicht. Stattdessen fragte ich, ich gebe zu: in einem belehrenden Tonfall, ob sie glaube, dass man Menschen im allgemeinen und zahlende Kundschaft im besonderen so behandele und was sie denn für eine Kinderstube genossen habe, überhaupt so unfreundlich zu sein und so weiter, woraufhin sie mich anbrüllte, ich sei wohl vollkommen krank, dass ich mich in ihr Geschäft einmischen würde, die Leute könnten sich ja wohl selber beschweren, wenn ihnen was nicht passen würde.

Zwischen Mut und Anstrengung 

Hinterher habe ich lange darüber nachgedacht, ob ich richtig gehandelt habe. War es übergriffig? Absolut? Bevormundend? Sicher. Aber mich macht es so fuchtig, wenn garstige Menschen andere schäbig behandeln, dass ich nicht mehr ruhig bleiben kann. Ich habe festgestellt, dass es das Leben deutlich anstrengender macht. Andererseits sehe ich es als Zeichen dafür, dass ich meine Stimme zumindest ansatzweise hörbar mache. Ich traue mich, für mich und andere einzustehen. Und ehrlich gesagt: Ich hätte nicht gedacht, dass es mal soweit kommt. Wenn man die eigene Stimme findet, dann gibt es Fehler und Blödsinn und ganz sicher gefällt es ein paar Leuten nicht. Aber ich finde, den Mut zu spüren, für die eigene Wahrheit einzustehen, überwiegt das allemal.

Alles Liebe,
Paula