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Körper der Frau

Endometriose: Was ist der Grund für Unterleibsschmerzen?

  • Veröffentlicht: 29.09.2023
  • 09:00 Uhr
Qualvolle Schmerzen während der Periode - das kann ein Anzeichen für Endometriose sein.
Qualvolle Schmerzen während der Periode - das kann ein Anzeichen für Endometriose sein.© New Africa - stock.adobe.com

Au, tut das weh! Unter starken Unterleibsschmerzen während der Periode leiden oft mehr Frauen als gedacht. Viele schweigen darüber, weil sie denken: Das ist doch normal. Aber hinter den Beschwerden kann eine Krankheit stecken: Endometriose. Warum Endometriose oft lange unbemerkt bleibt, welche Rolle sie bei Kinderwunsch spielt und was die Gebärmutterschleimhaut damit zu tun hat, erklären wir dir: alles rund um Symptome, Diagnose und Behandlung.

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Was ist eine Endometriose?

Bei Endometriose leiden Frauen an starken Schmerzen im Unterleib. Die Gebärmutterschleimhaut heißt auch Endometrium - sie kleidet normalerweise die Gebärmutter aus. Bei Endometriose baut sie sich auch an anderen Stellen im Körper auf. Bei der Erkrankung bilden sich gutartige Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut: etwa im Bauchraum und im Becken. Auch der Darm, Eileiter, Eierstöcke (Schokoladenzysten), Harnblase und Blasenleiter können Herde für die Gewebeinseln und Zysten sein. In seltenen Fällen sogar Organe wie die Lunge. Die Folgen: chronische Entzündungen, Vernarbungen und Blutungen.

Der hormonelle Zyklus der Frau lässt die Wucherungen wachsen. Der Körper baut sie auf und ab, und die Wucherungen bluten. Sie können sich entzünden und teils wachsen Nervenfasern ein. Kein Wunder, dass die Erkrankung äußerst schmerzhaft ist. Viele Frauen spüren die Schmerzen vor allem während der Periode. Aber auch dauerhafte Unterleibsschmerzen sind möglich und Beschwerden außerhalb der Periode. Endometriose ist chronisch, aber behandelbar. Betroffene leiden darunter oft mehrere Jahre, bis zur hormonellen Umstellung in den Wechseljahren - und teils sogar darüber hinaus.

Übrigens: Neben Frauen können auch Transmenschen unter Endometriose leiden. Ebenso wie Menschen, die sich keinem Geschlecht zuordnen. Auch bei Männern kann Endometriose diagnostiziert werden. Allerdings sind diese Fälle äußerst selten und gehen mit meistens mit einer Hormontherapie bei Prostatabehandlungen einher.

Die Ursache für Endometriose bleibt Fachleuten bisher schleierhaft - daher lässt sich die Erkrankung auch nicht ursächlich verhindern. Klar ist: Sind mehrere Frauen in der Familie von Endometriose betroffen, steigt das Risiko zu erkranken. Endometriose kann direkt bei der ersten Regelblutung auftreten - oder erst später im Leben. Eine aktuelle Studie aus Japan legt die Vermutung nahe, dass Fusobakterien Endometriose auslösen könnten. Bei einem bakteriellen Auslöser wäre auch eine Therapie mit Antibiotikum künftig denkbar. Allerdings fehlen dazu weitere Untersuchungen und Kenntnisse.

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Mögliche Symptome einer Endometriose

Die Erkrankung kann sich auf unterschiedliche Weise zeigen - deshalb heißt sie auch "Chamäleon der Gynäkologie". Nicht bei jeder Frau treten alle Symptome auf. Aber folgende Anzeichen können auf Endometriose deuten:

  • starke Schmerzen während der Menstruation - teils schon seit Jahren
  • Menstruation nur mit Schmerzmitteln aushaltbar.
  • chronische Bauch- und/oder Rückenschmerzen
  • Müdigkeits- und Erschöpfungszustände
  • Zyklusstörungen
  • Schmerzen beim Sex
  • aufgeblähter Bauch
  • Blut im Urin/Stuhlgang
  • Schmerzen beim Stuhlgang
  • Unfruchtbarkeit
  • anfällig für Infekte während der Menstruation
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Diagnose: Wie lässt sich Endometriose testen?

Oft vergehen mehrere Jahre, bis bei Betroffenen eine eindeutige Diagnose für ihre Beschwerden vorliegt.  Es besteht eine große Verwechslungsgefahr mit dem Prämenstruellen Syndrom (PMS) und Darmerkrankungen. Oft werden die Schmerzen auch als normale Periodenschmerzen fehlgedeutet. Daher leiden viele Frauen länger als nötig.

Du hast den Verdacht auf eine Endometriose? Hole dir ärztlichen Rat - etwa bei deiner Gynäkologin oder deinem Gynäkologen. Der Arzt oder die Ärztin wird dann ein ausführliches Gespräch zur Anamnese mit dir führen, um medizinische Informationen zu erhalten. Dieser Part der Diagnose ist äußerst wichtig: Gerade, weil die Symptome der Endometriose so vielschichtig sind.

Je besser du deinen Körper und das Auftreten der Beschwerden (Zeitpunkt, Dauer, an welchen Körperbereichen, Intensität) selbst kennst, desto besser kannst du Auskunft geben. Tipp: Führe ein Tagebuch zu den Symptomen. Das hilft Ärztinnen und Ärzten, die richtige Diagnose zu stellen und ähnliche Krankheiten auszuschließen.

Zur Diagnose gehört auch die Tastuntersuchung: Dabei wird die Vagina abgetastet. Eine Ultraschalluntersuchung kann möglicherweise Endometriose-Herde aufzeigen. Oft sind die Wucherungen aber zu winzig für bildgebende Verfahren. Bei Blut im Stuhl kann eine Darmspiegelung die Diagnose unterstützen. In manchen Fällen ist auch ein MRT/MRI hilfreich.  Für die Diagnose und Therapie zugleich kommt eine Bauchspiegelung infrage.

Die vorübergehende Einnahme einer Anti-Baby-Pille kann ebenfalls Klarheit bringen. Das Universitäts Spital Zürich berichtet, dass diese hormonelle Therapie bei Endometriose oft die Schmerzen verschwinden lasse. Wenn das der Fall ist, sei eine Endometriose wahrscheinlich.

Wie viele Frauen leiden unter Endometriose?

Endometriose ist häufiger als gedacht. Viele Frauen leiden lange unerkannt unter der Erkrankung. Fachleute gehen davon aus, dass etwa 6 bis 15 Prozent aller gebärfähigen Frauen betroffen sind. Bei den gynäkologischen Krankheiten ist Endometriose die zweihäufigste Krankheit, gibt die Endometriose Vereinigung Deutschland e.V. an. Allein in Deutschland haben schätzungsweise rund zwei Millionen Frauen Endometriose.

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Hier finden Betroffene Unterstützung

Es gibt auf Endometriose spezialisierte Ärztinnen und Ärzte, Kliniken und Gesundheits-Zentren. Auf der Homepage der Endometriose Vereinigung Deutschland e.V. gibt es eine Übersicht mit Fachkräften, die Betroffene empfehlen. Dazu gibt es eine Suchfunktion nach Postleizahl. So finden Betroffene fachliche Unterstützung in ihrer Nähe. Auch der Verein selbst bietet eine erste Beratung per Telefon.

Übrigens: Die Behandlung erfolgt oft interdisziplinär. Das heißt: Fachleute von verschiedenen medizinischen Disziplinen können beteiligt sein. Dazu zähen etwa die Schmerztherapie, Physiotherapie, Ernährungsberatung, Urologie, Psychotherapie und Chirurgie.

Tipp: Der Dokumentarfilm " Jung und Endo - Ein Film über junge Menschen mit Endometriose" zeigt den persönlichen Weg von drei betroffenen Frauen. Wenn du dich selbst auch mit anderen Patientinnen austauschen möchtest, sind Selbsthilfe-Gruppen eine gute Möglichkeit.

Therapie: So wird Endometriose behandelt

Welche Therapie für welche Patientin empfehlenswert ist, hängt von der Krankheitsgeschichte ab. Die Behandlung ist also speziell und individuell. Es gibt unter anderem folgende Möglichkeiten:

  • Bei akuten Schmerzen können Schmerzmittel die Symptome lindern. Allerdings bekämpfen diese Medikamente nicht die Ursachen der Erkrankung. Eine langfristige Einnahme von Schmerzmitteln birgt zudem Risiken und kann Leber und Nieren schädigen. Langfristig können Entspannungsverfahren und beispielsweise Akupunktur helfen. Auch Wärmebehandlungen lindern Schmerzen.
  • Eine Hormontherapie mit GnRH-Analoga reguliert die weiblichen Geschlechtshormone und unterdrückt die Periode. Die Therapie zielt darauf, die Bildung von Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut zu verhindern. Die Therapiedauer ist meistens auf ein halbes Jahr begrenzt. Nebenwirkungen wie Wechseljahressymptome sind möglich.
  • Hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille können ebenfalls das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut bremsen und Schmerzen lindern.
  • Über die Pille oder eine Spirale können Patientinnen auch ausschließlich Gestagene erhalten. Das sind Gelbkörperhormone, die eine Schwangerschaft vortäuschen. Wichtig: Erhebliche Nebenwirkungen wie Depressionen sind möglich.
  • Die Umstellung der Ernährung als unterstützende Therapie ist besonders für Frauen mit Darmproblemen ratsam. Pauschale Empfehlungen zur Ernährung gibt es nicht. Tipp: Lass dich individuell von Fachleuten beraten.
  • Physiotherapie, Schmerztherapie, Bewegungstherapie, Psychotherapie und Entspannungsmethoden wie Tai Chi, Yoga und Qi Gong: Auch das sind Möglichkeiten zur Behandlung.
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Wann brauche ich eine OP?

Als operativer Eingriff bei Endometriose kommt eine Bauchspiegelung infrage. Der Fachbegriff lautet Laparoskopie. Diese OP dient der Diagnose und Behandlung zugleich. Was passiert dort? Bei einer Bauchspiegelung führen Ärztinnen und Ärzte ein dünnes Rohr mit Kamera in den Bauchraum ein. Damit spüren sie Endometriose-Herde auf. Sie entnehmen Gewebeproben und können zugleich Wucherungen und Zysten entfernen.

Du wünschst dir ein Baby? Dann sprich mit Mediziner:innen über diese Möglichkeit. Denn häufig lässt sich über eine Laparoskopie die Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch beheben. Bei Frauen ohne Kinderwunsch gibt es auch die Möglichkeit, die Gebärmutter zu entfernen. Bei großen Wucherungen kann auch ein Bauchschnitt (Laparotomie) helfen.

Als Varianten gibt es zudem Darm- und Blasenspiegelungen. Auch diese dienen oft der Diagnose und Therapie. Dabei wird eine Kamera in die Blase bzw. den Darm eingeführt.

Auswirkungen von Endometriose auf den Kinderwunsch

Die Erkrankung kann Folgen für die Familienplanung haben. Endometriose-Patientinnen können grundsätzlich schwanger werden. Aber sie haben ein höheres Risiko für Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten als gesunde Frauen. Der Grund: Störungen im Zyklus wie fehlender Eisprung oder eine Gelbkörperschwäche sind häufiger. Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut an beispielsweise Eierstöcken und Eileitern können eine normale Befruchtung verhindern. Zudem hat ein befruchtetes Ei es schwerer, sich den Weg zur Gebärmutterschleimhaut zu bahnen und sich einzunisten.

Ein vermeintliches Tabu-Thema ist auch: Endometriose kann zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr führen. Auch das wirkt sich auf den Kinderwunsch aus.

Endometriose-Patientinnen mit Kinderwunsch kann ein operativer Eingriff helfen. Manchen Frauen empfehlen Fachleute auch eine künstliche Befruchtung. Wichtig: Wenn du dir ein Baby wünschst, suche dir professionelle Hilfe und lass dich beraten - am besten in Kombination mit Endometriose-Fachleuten und Kinderwunschzentren.

Eine Form der Endometriose ist die Adenomyose: Dabei wächst Gewebe aus der Gebärmutterschleimhaut in den Muskel der Gebärmutterwand ein. Hier ist die Fruchtbarkeit meistens noch eingeschränkter.

Erhöht Endometriose das Krebsrisiko?

Endometriose kann zu einem erhöhten Krebsrisiko führen. Die Deutsche Krebsgesellschaft nennt auf ihrer Homepage ein erhöhtes Risiko für Gebärmutterkörperkrebs. Grundlage für diese Annahme ist eine Studie aus Korea mit Daten von rund 148.000 Frauen mit Endometriose. Diese Untersuchung besagt aber auch: Die Prognose der Krebserkrankung ist bei Endometriose-Patientinnen nicht schlechter als bei anderen Frauen.

Die Deutsche Krebsgesellschaft rät zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Eine frühzeitige Erkennung erhöht die Therapiechancen.

Profi-Fußballerin spricht offen über Endometriose

Nationalstürmerin Lea Schüller offenbarte im Interview mit der Zeitschrift Vogue, dass sie unter Endometriose leidet. Die Fußballspielerin berichtet von starken Schmerzen: Unter anderem Schulterschmerzen, die sich bis in den Nacken ziehen würden. Unter solchen Schmerzen sei an Spiele und Training nicht zu denken. Ein auf den Zyklus abgestimmtes Training sei aber nicht nur bei ihr ein Thema. Auch bei den restlichen Spielerinnen des FC Bayern München würden die Übungen auf den Zyklus abgestimmt.

Auch Model Anna Adamyan geht offen mit ihrer Endometriose um. Sie berichtet darüber auf ihren Social-Media-Kanälen. "Solange wir mit 'Stell dich mal nicht so an' abgespeist werden, hat sich noch nicht genug getan! Wir brauchen mehr Bewusstsein, wir Betroffenen müssen mehr gesehen werden!", schreibt sie auf ihrem Instagram-Kanal. Auch das Thema Kinderwunsch und Schwangerschaft nimmt sie auf. Sie geht offen mit der künstlichen Befruchtung um. 2023 kam ihre Tochter zur Welt.

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