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Als Eltern tendieren wir oft dazu, das Kinderzimmer zu einem Abklatsch unserer eigenen Interior-Vorstellungen zu machen. Wir gestalten es besonders trendy in angesagten Naturtönen und verbannen konsequent alle Knall- und Neonfarben oder halten es extrem minimalistisch. Das macht das Staubsaugen vielleicht einfacher, aber dem Kind nicht unbedingt Spaß. 

Fest steht: Ein Kinderzimmer kindgerecht zu gestalten und gleichzeitig ein cleveres Ordnungssystem darin zu etablieren, ist eine Herausforderung. Doch zum Glück müssen wir die nicht alleine angehen. Es gibt fachkundige Hilfe von einer zweifachen Mutter und Aufräumexpertin.

Isabella Franke ist Powerfrau, Mompreneur und Wahl-Berlinerin mit angeborener Ordnungsliebe. Ihr Herz schlägt für ihre Familie, ihren Haustier-Zoo und für ein aufgeräumtes Zuhause. Denn wer viele Bälle gleichzeitig in der Luft hält, braucht einen Ort, wo er runterkommen kann. Sie liebt es, wenn jedes Zimmer aufgeräumt ist und jedes Ding an seinem Platz. Einfach weil Ordnung uns mehr Zeit zum Leben schenkt.

Isabella Franke nennt ihre Art des Aufräumens "Decorganizing". Mitgebracht hat sie den Trend von den Top-Coaches der Hollywood-Stars höchstpersönlich. Fast 10 Jahre hat Isabella selbst in Los Angeles gelebt und weiß, dass Deko und Organisation zusammengehören.

Das Kinderzimmer organisieren – Ordnungssysteme

Normalerweise muss beim Ausmisten und Ordnen erstmal alles raus aus den Schränken. Das wäre im Kinderzimmer allerdings fatal. Denn hier gäbe es ein riesiges Chaos von Kuschel-, Schleich- und Plastiktieren, von Lego-Polizeistation und Playmobil-Ponyhof, selbst gemalten Kunstwerken und Puppenkleidern. Daher lieber Kiste für Kiste und Schublade für Schublade ausleeren und den Inhalt in einzelne Boxen vorsortieren. Das Ziel dabei ist, ein Ordnungssystem im Kinderzimmer zu entwickeln, das von den Kleinen gut angenommen und verstanden wird.

Dafür lohnt es sich, spezielle Ordnungssysteme im Möbelhaus zu kaufen, beim Versandhandel zu ordern oder selbst welche zu bauen. Zum Beispiel Regale, in denen sich transparente Plastikboxen oder Körbe mit einem Sichtfenster einfach einschieben oder herausnehmen lassen.

Lego und Playmobil ordnen

Es gibt Spielzeug, das hält seit Generationen und die Hersteller schaffen es immer wieder, auf die aktuelle Lebenssituation der Kinder einzugehen. Gerade mit Lego und Playmobil können Kinder fast jede Leidenschaft, jedes Hobby in Miniaturformat zum Leben erwecken. Manche tauchen zum Teil über Stunden im Kinderzimmer in ihre Phantasiewelt ein.

Noch mehr Freude macht das, wenn die einzelnen Themenwelten ordentlich aufgeräumt und schnell zu finden sind. Dafür eignen sich vor allem Schubladen oder Boxen mit entsprechender Beschriftung. Je kleinteiliger die Spielsachen, desto kleiner – oder unterteilter – sollten auch die Aufbewahrungsmöglichkeiten sein.

Alles zum Thema Pferde kommt zum Beispiel in eine Box, in eine andere alle Fahrzeuge und auch die Spielfiguren erhalten einen festen Platz.

Was für Isabella definitiv das Ordnungssystem erst komplettiert: Labels, Labels, Labels. Schicke Beschriftungen lassen sich individuell gestalten, bestellen oder einfach selbst schreiben und laminieren. Da können die größeren Kinder schon super mithelfen. Für die Kindergarten- und Vorschulkinder kann man entsprechende Fotos von den Playmobil- und Lego-Produkten machen und an die Boxen- oder Schubladensysteme kleben.

Und was kaputt oder nicht mehr interessant ist? Das wird am besten umgehend entsorgt, verschenkt oder verkauft.

Kuscheltiere verstauen

So schwer es fällt, auch bei den Plüschfreunden ist es manchmal an der Zeit, von dem ein oder anderen Abschied zu nehmen. Diese Entscheidungen sollte man am besten mit den Kindern gemeinsam treffen.

Welche Kuscheltiere haben eine besondere Bedeutung? An welchen hängen die Kinder am meisten? Vielleicht gab es den Teddy zur Geburt, zur Taufe, zur Einschulung oder nach einer überstandenen OP. Vielleicht ist es ein Geschenk von der besten Freundin oder eine Erinnerung an einen Urlaub.

Klar, diese besonderen Kuscheltiere sind vielleicht tatsächlich Freunde fürs Leben. Aber es sind sicher auch etliche darunter, da weiß niemand mehr, wie die ins Kinderzimmer gelangt sind – Werbegeschenke, Fundstücke, Verlegenheitskäufe als Mitbringsel von einer Geschäftsreise.

Sind sie gut in Schuss, freuen sich Sozialeinrichtungen wie die Arche, Mutter-Kind-Häuser und Kinderkrankenhäuser über die Spenden. Viele Kinder sind richtig stolz, mit ihren weitergegebenen Kuscheltieren und Spielsachen helfen zu können.

Die verbleibenden Fellfreunde dürfen einen eigenen Korb – mit Label und Foto – im neuen Ordnungssystem beziehen. So stauben sie weniger zu und können bei Bedarf schnell gefunden und geknuddelt werden.

Die absoluten Lieblinge und Einschlafhilfen dürfen natürlich mit ins Bett.

Ausmisten für mehr Ordnung im Kinderzimmer

Das gleiche Prozedere gilt auch für Gesellschaftsspiele, Puzzle, Bücher & Co., die zum Teil viel Platz einnehmen, aber kaum noch in Gebrauch sind.

Manchmal hilft es, zwei Bücher, Spiele oder Puzzle nebeneinander zu legen. Das Kind darf entscheiden, welches bleibt. Das andere wird gespendet.

Vielleicht freut sich auch der eigene Hort oder Kindergarten über gut erhaltene Spenden. So kann das Kind immer noch damit spielen und gemeinsam mit den Freunden in der Betreuung macht es vielleicht auch viel mehr Spaß.

Hängen einfach viele Erinnerungen an dem Kuscheltier oder Spielzeug, obwohl nicht mehr damit gespielt wird, kann auch ein Foto helfen. Zusammen werden die Dinge in einer kleinen Foto-Session festgehalten, die Bilder ausgedruckt, beschriftet und in einem Album sortiert.

Vielleicht kann man sogar dazu schreiben, wann und von wem das Spielzeug oder Kuscheltier geschenkt wurde, wie es heißt und so weiter. Mit dieser bleibenden – und deutlich platzsparenden – Erinnerung fällt das Loslassen oft leichter.

Tipps für mehr Stauraum im Kinderzimmer

Ein Kleiderschrank im Kinderzimmer bietet oft nicht nur Platz für Hosen, Pullis oder Jacken, sondern auch für Boxen, an die die Kinder vielleicht nicht so oft dran müssen. Hier lassen sich zum Beispiel Gesellschaftsspiele oder Zugschienen verstauen, die gerade nicht benötigt werden.

Wenn sich im Kleiderschrank kein bisschen Stauraum mehr findet, hilft auch hier: ausmisten. Was nicht mehr richtig passt oder gefällt, darf "vorgeliebt" nun andere erfreuen. Auch hier kann ein Foto vom – inzwischen rausgewachsenen – Lieblingsrock über den Abschiedsschmerz hinweg helfen.

Praktisch sind auch große Spielzeugkisten, die gleichzeitig als Bank oder Spielfläche dienen. Hier passen sogar sperrige Dinge wie ein Playmobil-Schiff rein.

Besonders viel Stauraum bieten Hochbetten, bei denen unterhalb der Liegefläche sogar ein Schrank oder besonders tiefe Schubladen Platz haben. Manche Betten haben eine angebaute Treppe, deren Stufen aus Stauraum-Kisten bestehen oder aus denen sich Schubladen herausziehen lassen.

Manchmal reicht es schon, das Bett soweit zu erhöhen, dass eine große Schublade auf Rollen darunter Platz hat. Darin kann sogar eine ganze Eisenbahn-Landschaft aufgebaut und am Abend einfach wieder unters Bett geschoben werden. Auch ein 500-Teile-Puzzle im Aufbau fällt so nicht dem Staubsauger oder kleinen Geschwistern zum Opfer.

Kuschelecke: Spielzeug praktisch aufbewahren

In keinem Kinderzimmer darf eine gemütliche Kuschelecke fehlen. Am besten eine kleine Matratze auf den Boden und dicke Kissen zum Reinlümmeln. Hier wird zusammen gedöst, geträumt und gelesen.

Alternativ kann eine kleine Sitzecke für zusätzlichen Stauraum sorgen. Praktisch sind auch Spielteppiche, auf denen es sich gemütlich sitzen und mit Lego spielen lässt. Zum Aufräumen werden sie nur mit einem Kordelzug zusammengerafft und mitsamt dem kleinteiligen Spielzeug an einen Haken gehangen. So ist das Lego für den nächsten Tag gleich wieder an Ort und Stelle und beim Putzen schnell aus dem Weg.

Gemalte Bilder sinnvoll organisieren

Jedes Kind ist ein Künstler. Es teilt seine Eindrücke, Erlebnisse und Träume in gemalten und gebastelten Werken mit. Nur wohin mit den ganzen Bildern? Besonders stolz ist das Kind sicher, wenn seine Zeichnung gerahmt wird und einen Platz an der Wand bekommt.

Es muss ja nicht gleich im Wohnzimmer sein, aber warum nicht im Kinderzimmer eine Petersburger Hängung mit den tollsten Kinder-Werken gestalten?

Es gibt auch spezielle Clip-Leisten, die sich einfach an der Wand befestigen lassen. Die meisten halten auch mit beidseitigen Klebe-Strips. Hier können die Kleinen ihre Zeichnungen selbst aufhängen und die Wand ganz einfach immer wieder neu gestalten.

Wenn die Ausstellung wechselt, können die Werke – am besten immer Name des Künstlers und Datum hinten drauf – in Klarsichtfolien abgeheftet oder in Hänge-Ordner sortiert werden. Dafür gibt es Ordnungssysteme in die die einzelnen Mappen eingehängt werden. Am besten nach Künstler und Schaffensperiode beschriften und sortieren. So können die Kinder auch selbst mal stolz in ihren gesammelten Werke stöbern.

Kinderzimmer aufräumen – Motivation für Kinder

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr. Das gilt auch fürs Kinderzimmer. Daher die Kinder am besten von Anfang an ins Aufräumen mit einbeziehen. Und ganz wichtig: mit gutem Beispiel vorangehen.

Das Kinderzimmer gemeinsam aufräumen

Viele Hände schaffen schnell ein Ende. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Ja, es gibt wirklich viele Sprichwörter, die zum gemeinsamen Aufräumen passen. Also Ärmel hochkrempeln und los. Oft helfen schon klare Ansagen und eine genaue Arbeitsteilung. Einer räumt die Playmobil-Sachen auf, der andere das Lego. Oder während sich der eine um die Spielküche kümmert, nimmt sich der andere die Puppenstube vor.

Spielerisch Ordnung schaffen

Wie wäre es mal mit Aufräum-Stopp-Tanz? Wenn das Lieblingslied für zehn Sekunden stoppt, räumen alle so viele Spielsachen wie möglich auf. Dann laufen Lied und Tanzparty weiter, so lange bis alles in die entsprechenden Kisten und Schubladen geräumt ist.

Ist der Boden frei und die Ordnung im Kinderzimmer wieder hergestellt, läuft zur Belohnung extra laut das Lieblingslied. Jetzt muss auch keiner mehr Angst haben, auf einen Lego-Stein zu treten.

Oder es werden konkrete Aufräumarbeiten auf kleine Zettel geschrieben. Zum Beispiel: Playmobil-Ponyhof richtig aufbauen oder in entsprechende Kiste räumen. Jetzt ziehen die Kinder – und Eltern – abwechselnd Lose aus dem Topf und erledigen möglichst schnell die Aufgabe. Als Motivation sind auch Zettel mit kleinen Gewinnen dazwischen, wie zum Beispiel: 10 Minuten mehr Bildschirmzeit. Oder: Die nächste Aufräum-Aufgabe darfst du an Mama oder Papa weiterreichen.

Ordnungsrituale für ein organisiertes Kinderzimmer

Für Kinder sind feste Regeln und Rituale sehr hilfreich. Das gilt auch fürs Aufräumen des Kinderzimmers. Am besten legt man die Aufräum-Regeln gemeinsam fest und schreibt die einzelnen Punkte möglichst einfach formuliert auf. Die Liste kommt gut sichtbar an die Kinderzimmertür. Zum Beispiel: Bevor ich ein neues Spiel nehme, räume ich das andere weg.

Wirklich sinnvoll ist es auch, wenn Eltern lernen, die Unordnung im Kinderzimmer tagsüber zu ertragen. Solange die festgelegten Regeln eingehalten werden, sollte man die Kinder nicht permanent zum Aufräume auffordern oder hinter ihnen herräumen.

Auch wenn es im vermeintlichen Chaos nicht immer zu erkennen ist, verbirgt sich hinter dem Tohuwabohu vielleicht ein komplizierter Spielaufbau, in dem Playmobil-Ritter gerade ums Überleben kämpfen.

Also lieber am Abend gemeinsam für Ordnung sorgen. Zum Beispiel kann man festlegen, dass vor dem Abendessen oder dem Zähneputzen die Grundordnung im Kinderzimmer wieder hergestellt sein muss.

Und am besten nicht zu spät mit dem Aufräumen beginnen. Bei quengeligen, müden Kindern helfen meist auch die tollsten Aufräumspiele nicht mehr.