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Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, musste ich einmal in einem Kaufhaus auf die Toilette. Aufs Klo müssen ist etwas, das man in der Schwangerschaft sehr häufig erlebt, was jeder bestätigen kann, der a) schon mal schwanger war und b) schon mal überraschend vom Baby in die Blase getreten wurde. Jedenfalls war es dringend und ich hoppelte an der Toilettendame vorbei, die aber, angelockt durch meine Bauchform, sich direkt vor meiner Kabinentür platzierte, um mir wiederum von ihrer Schwangerschaft zu erzählen. Sie habe damals geglaubt, dass sich zum richtigen Zeitpunkt ihr Bauch unter dem Nabel entlang der Linea Nigra spalten und das Kind dann herausfallen werde. Ich weiß nicht, ob ihr schon mal den Film „Alien“ gesehen habt, aber eine schöne Vorstellung ist das nicht. Dass sie glaubte, der Bauch teile sich wie das Rote Meer unter Moses, liegt natürlich an mangelhafter Aufklärung. Und zum Glück ist es um diese Aufklärung ja heute viel besser bestellt. Niemand würde mehr so einen Quatsch glauben. Oder?

Den meisten "Gürkchen" ist gar nicht klar, was passieren kann 

Wenn ich mich so bei Jugendlichen umhöre, erschrecke ich mich manchmal, wie rudimentär deren Kenntnisse über simple biologische Abläufe sind. Sie wissen zwar alle, wie Geschlechtsakte ungefähr aussehen, aber warum man wann schwanger wird, davon haben sie meist kaum bis keine Ahnung. Ich bin immer noch verblüfft, dass Sexualitätserziehung in der Schule nicht ernster genommen wird. Das Tolle an Sex ist ja, dass unheimlich viel daran hängt. Nicht nur Reproduktion oder das Verhindern einer solchen, sondern auch Emotionen, Verhaltensweisen, Krankheiten, Hürden für das Erwachsenwerden. Es ist mehr als an Gurken zu üben, wie man Kondome anzieht, vor allem, wenn den meisten Gürkchen gar nicht so richtig klar ist, was alles passieren kann, wenn sie es eben nicht tun.

"Das Wie ist im schulischen Kontext natürlich entscheidend" 

Bei uns erklärte uns eine ältliche Biologielehrerin über die Fortpflanzungszusammenhänge auf, was sie mit rotem Kopf und geringer Freude tat, während wir mit der Vorstellung konfrontiert wurden, dass eben jene Lehrerin tatsächlich schon mal Sex gehabt hat, obwohl sie steinalt war! Ihr Unbehagen glich unserem ziemlich genau, eine typische lose-lose-Situation.

Schluss mit der Verklemmtheit 

Am besten wäre natürlich, wenn Aufklärung so passieren würde, dass innerhalb des Familienverbandes darüber gesprochen wird. Weil Sex eben etwas ganz normales ist. Eltern müssen sich ja nicht als absolute Sexmonster präsentieren, aber so ein bisschen Lockerheit würde der Sache guttun, meine ich. Außerdem passieren immer interessante Dinge, wenn man Menschen anderer Generationen einfach mal auf ihre Sexualität anspricht. Wenn wir das alle täten, gäbe es deutlich weniger Verklemmungen. Und das wäre doch ein wirklicher Fortschritt.

 

Alles Liebe

 

Paula