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WAS MAN ÜBER DIE LANGZEIT-METHODE WISSEN MUSS

Verhüten mit der Spirale

Täglich an die Verhütung denken? Oder direkt vor dem Sex? Das fällt bei der Spirale – im Gegensatz zu Pille und Kondom – weg. Das "T-Stäbchen" in der Gebärmutter schützt über mehrere Jahre vor einer ungewollten Schwangerschaft. Wie die Spirale funktioniert, welche Vor- und Nachteile sie hat und wie sicher sie ist, erfährst du hier.

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Ernst Gräfenberg entdeckte nicht nur den weiblichen G-Punkt, den (!) Lust-Spot in der vorderen Scheidenwand. Der deutsche Gynäkologe entwickelte auch den Gräfenberg-Ring zum Einlegen in die Gebärmutter und stellte das mit Silberdraht umwickelte Verhütungsmittel erstmals 1928 vor. Es war der Vorläufer der modernen Intrauterinpessare (intra = innerhalb, uterus = Gebärmutter, pessar = mechanisches Verhütungsprodukt). Den Ring nutzten Frauen bis in die 1960er-Jahre hinein, dann wurde er von Pessaren aus Kunststoff abgelöst.

Seit den 1970ern haben Spiralen einen Kupferanteil, nachdem die empfängnisverhütende Wirkung des Metalls bekannt wurde. Die erste Hormonspirale kam in Deutschland 1996 auf den Markt. Heute nutzt hierzulande jede achte Frau eine Spirale zur Verhütung – laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Kleines Ding, lange Wirkung: Wie funktioniert die Spirale?

Doppelt effektiv: Die im Durchmesser 2,5 bis 3,5 Zentimeter messende Spirale wirkt in der Gebärmutter sowohl stofflich als auch mechanisch. Sie besteht aus einem Kunststoff-Stäbchen, das meist T-förmig ist, aber auch die Form einer Schleife haben kann. Es gibt zwei gängige Ausführungen, die Kupferspirale und die Hormonspirale. Beide verhindern eine Schwangerschaft, jedoch auf unterschiedliche Weise.

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So wirkt die Kupferspirale

Bei der Kupferspirale ist der Schaft des Stäbchens mit einem feinen Kupferdraht umwickelt, der kontinuierlich Kupfer-Ionen abgibt. Und die wiederum hemmen Spermien in ihrer Beweglichkeit und verkürzen deren Lebensdauer. Zudem verursachen die Ionen eine Fremdkörperreaktion in der Gebärmutterschleimhaut, sodass sich deren Beschaffenheit verändert.

Dadurch kann sich die Eizelle nicht einnisten, falls es wider Erwarten zu einer Befruchtung kommen sollte. Bei manchen Exemplaren enthält der Kupferdraht einen Silberkern, bei anderen handelt es sich um eine Kupfer-Gold-Legierung. Der Ionen-Austausch zwischen den Metallen soll das Entzündungs- und Infektionsrisiko senken. 

Die Kupferkette ist eine Weiterentwicklung der Spirale – mit mehreren Kupferzylindern, die nebeneinander auf einem chirurgischen Faden aufgereiht sind. Da sie kein starres Rahmengerüst hat, passt sie sich flexibel an die individuelle Gebärmutterform an.

Mehr zur Goldspirale erfährst du hier.

Verhütung: Alle Methoden im Überblick
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Welche Verhütungsmittel und Verhütungsmethoden gibt es - und was ist am sichersten? Mehr zu Pille, Kondom und Co. erfährst du hier!

  • 22.11.2022
  • 14:22 Uhr
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So wirkt die Hormonspirale

Die Hormonspirale verfügt über ein Mini-Hormondepot. Das abgesonderte Levonorgestrel sorgt dafür, dass der Schleim am Gebärmutterhals verdickt und undurchlässiger für Spermien wird. Samenzellen, die dennoch durchkommen, werden darüber hinaus in ihrer Manövrier- und Befruchtungsfähigkeit eingeschränkt. Und letztlich unterbindet auch die Hormonspirale die Einnistung einer Eizelle. Den Eisprung dagegen unterdrückt das synthetische Hormon aus der Spirale in den meisten Fällen nicht.

Kosten für Hormon- und Kupferspirale

Für das Einsetzen einer Spirale in die Gebärmutter ist ein Termin bei einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt nötig. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten bei Frauen bis zu 21 Jahren. Ansonsten werden zwischen 200 und 500 Euro fällig - je nach Modell und Praxis. Dafür muss eine Spirale nur alle paar Jahre ausgetauscht werden. Zum Vergleich: Verhüten mit der Pille kostet 50 bis 200 Euro – pro Jahr.

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Die Vor- und Nachteile der Spirale

Wie jedes Verhütungsmittel hat auch die Spirale verschiedene Vor- und Nachteile.

Die Vorteile der Spirale

  • Die Spirale kann drei bis fünf Jahre in der Gebärmutter bleiben, manchmal sogar bis zu zehn Jahre. Die Verweildauer hängt vom einzelnen Produkt ab.
  • Anwendungsfehler, wie sie zum Beispiel bei Kondomen vorkommen können, sind ausgeschlossen, da die Spirale von Frauenärzt:innen eingesetzt wird. Obendrein spielen Faktoren wie Zeitverschiebung, Durchfall oder Erbrechen (anders als bei der Pille) für die Verhütungssicherheit keine Rolle.
  • Bei der Kupferspirale bleibt der natürliche Zyklus erhalten. Ebenso wenig nimmt sie Einfluss auf den Hormonhaushalt und den Stoffwechsel.
  • Durch die Hormonspirale werden die monatlichen Blutungen oft kürzer, schwächer und weniger schmerzhaft oder bleiben manchmal sogar ganz aus. Viele Frauen empfinden das als angenehmen Nebeneffekt.
  • Die Hormonspirale setzt ausschließlich Gestagen frei. Somit ist sie auch für Frauen geeignet, die eine Östrogen-Unverträglichkeit haben.
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Die Nachteile der Spirale

  • Das Einlegen der Spirale kann schmerzhaft sein, in seltenen Fällen (bei ein bis zwei von 1000 Frauen) wird dabei die Gebärmutterwand verletzt. In den Tagen danach treten mitunter Unterleibs- und Rückenbeschwerden auf.
  • Das Risiko einer Infektion der Gebärmutter oder der Eileiter ist leicht erhöht -  insbesondere in den ersten Wochen nach dem Einsetzen der Spirale.
  • Frauen, die mit einer Kupferspirale verhüten, müssen vor allem in den ersten Monaten mit stärkeren und länger anhaltenden Regelblutungen rechnen. Zudem sind Zwischenblutungen möglich.
  • Die Hormonspirale bringt des Öfteren hormonell bedingte Nebenwirkungen mit sich: beispielsweise Kopfschmerzen, Brustspannen, Gewichtsschwankungen, Nervosität oder depressive Verstimmungen.
  • Bei Fehlbildungen oder Veränderungen der Gebärmutter (etwa durch Myome) ist die Spirale keine Option. Ebenso dagegen sprechen häufige Unterleibsentzündungen sowie frühere Eileiterschwangerschaften.

Pille versus Spirale: Was ist besser? Und sicherer?

Die Pille unterdrückt den Eisprung mithilfe von Hormonen. Schluckt man sie, gelangen Östrogen und Co. über den Magen-Darm-Trakt ins Blut. Die Hormonspirale dagegen wirkt lokal in der Gebärmutter und ist daher geringer dosiert als die Pille. Das Drei-Jahres-Modell Jaydess schüttet anfänglich 14 Mikrogramm Levonorgestrel pro Tag aus, die Fünf-Jahres-Modelle Kyleena und Mirena kommen auf 17,5 Mikrogramm beziehungsweise 20 Mikrogramm.

Zum Vergleich: Bei Minipillen mit Levonorgestrel als einzigem Wirkstoff stecken in einer Tablette (Tagesdosis) 30 Mikrogramm des Gestagens. Kurzum: Hormonspiralen belasten im Vergleich zur Pille den Körper weniger. Kupferspiralen sind hormonfrei. Die winzigen Kupfermengen, die sie abgeben, sind nicht schädlich – mit der Nahrung nehmen wir täglich mehr Kupfer auf.

Die Wirksamkeit und Zuverlässigkeit eines Verhütungsmittels gibt der Pearl-Index (PI) an. Bei der Pille beträgt er (abhängig vom jeweiligen Präparat) 0,1 bis 0,9. Soll heißen: Von 100 Frauen, die die Pille nehmen, werden pro Jahr 0,1 bis 0,9 Frauen schwanger, bei 1000 Frauen sind es entsprechend eine bis neun. Hormonspiralen haben einen PI von 0,16 und bei Kupferspiralen ergibt sich ein Wert von 0,3 bis 0,8 – sie sind also ähnlich sicher. Bei der Spirale besteht vom ersten Tag an Empfängnisschutz. Aber: Vor Geschlechtskrankheiten schützen weder die Pille noch die Spirale. Deswegen vor allem bei unbekannten oder wechselnden Partner:innen ein Kondom verwenden!

Ups … kann die Spirale verrutschen?

Ja, die Spirale kann verrutschen und auch herausrutschen. Durch die Kontraktionen während der Periode ist es möglich, dass sich die Spirale von ihrer ursprünglichen Position löst und sie sogar unbemerkt mit der Blutung ausgeschieden wird – dann wäre die Frau nicht mehr "safe". Aber das passiert nur sehr selten. Und: Man kann nach der Menstruation selbst checken, ob sich der Rückholfaden der Spirale, der in die Scheide hineinreicht, noch ertasten lässt.

Abgesehen davon sollte man alle sechs Monate einen Kontrolltermin bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt vereinbaren. Und um noch ein Gerücht aus der Welt zu räumen: Sex, Sport oder schwere körperliche Arbeit können der Spirale – nach kurzer Schonzeit beim Einsetzten – nichts anhaben.

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